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B.SC. RAUM­PLA­NUNG

Aktuelle Projekte

All Eyes on the City – Neue Ansätze für Dortmunds Innenstadt

Beschreibung

Als Raumplaner*innen besitzen wir unterschiedliche Möglichkeiten, um die Gestaltung und Nutzung öffentlicher Räume aktiv zu lenken. Dafür ist es notwendig auch die Bedürfnisse der Bevölkerung in den Blick zu nehmen. Welche Anforderungen stellen junge Menschen an urbane Räume, wenn sie Parks in Open-Air-Bühnen für Technopartys verwandeln? Wie nehmen Kinder und Jugendliche die öffentlichen Räume wahr? Welche Faktoren bestimmen eigentlich insgesamt die Qualität öffentlicher Räume (urban quality) und welche Kriterien sind entscheidend, um eine nachhaltige Stadt und städtisches Zusammenleben zu fördern? Welche Schlüsse können wir als Planer*innen aus einer Analyse der Aktivitäten in urbanen Räumen ziehen, um städtisches Leben zu gestalten? Diesen Fragen möchten wir mit euch im Projekt am Beispiel der Dortmunder Innenstadt nachgehen. Unser Fokus soll dabei auf Kindern und Jugendlichen liegen. Denn diese Bevölkerungsgruppe wird bisher nur selten in stadtplanerische Entscheidungen einbezogen. Hierbei werden wir auf das Konzept der gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung zurückgreifen.

Zum Hintergrund:

In den letzten Jahren haben nachfrage- und angebotsseitige Trends die einst florierenden Innenstädte verändert. Entwicklungen wie die Filialisierung, der Wandel von Werten und die Erlebnisorientierung im Konsum sowie die wachsende Konkurrenz des Online-Handels haben vielerorts zu Leerständen, zur Vernachlässigung und Verödung der Innenstädte geführt. Während der Corona-Pandemie wurden die Folgen besonders deutlich: Während bestimmte Erholungsgebiete zeitweise wegen „Überfüllung“ gesperrt wurden, waren die Innenstädte hingegen nahezu menschenleer.

Als Gründe hierfür werden nicht nur die geschlossenen Geschäfte, sondern auch die Gestaltung der öffentlichen Räume angeführt. Denn öffentliche Räume sind mehr als die Flächen zwischen den Gebäuden. Öffentliche Räume, in Form von frei zugänglichen und öffentlich nutzbaren Plätzen und Freiflächen (Fugmann 2019), sind für das städtische Leben von großer Bedeutung: Sie können unterschiedliche Freizeit- und Erholungsangebote für Jung und Alt schaffen, eine Bühne für Kunst und Kultur (Konzerte, Partys, Performance-Kunst, …) bieten, sportliche Aktivitäten (Parkour, Joggen, Radfahren, Slacklining, …) ermöglichen ebenso wie Proteste. Öffentliche Räume tragen als Erfahrungswelten außerhalb des Privaten nicht nur zum sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft bei, sondern können auch positiven Einfluss auf das Stadtklima (z.B. durch Frischluftschneisen und die Verdunstungskälte der Vegetation oder von Wasserspielen) nehmen.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat den Kommunen daher im Rahmen des „Sofortprogramms zur Stärkung unserer Innenstädte und Zentren in NRW 2020" Fördergelder zur Verfügung gestellt, um die Innenstädte zu stärken (MHKBG 2020). Die Stadt Dortmund hat einen Förderzuschlag erhalten und beabsichtigt mit dem Geld, ein City-Management aufzubauen und Konzepte zur Nachnutzung für Einzelhandelsgroßimmobilien (z.B. Warenhäuser wie Karstadt) in der Innenstadt zu entwickeln (Stadt Dortmund 2020). Bereits 2019 hat sich die Stadt zur Aufgabe gemacht, die öffentlichen Räume in der Innenstadt nicht nur als Verkehrswege zu betrachten, sondern öffentliche Orte als Möglichkeitsräume für unterschiedliche Nutzungen, die zum Verweilen einladen, anzusehen (Stadt Dortmund 2021). Dabei zeigt sich: Kein Ort in der Stadt ist wie der andere. Denn öffentliche Räume unterscheiden sich stark voneinander und die Potentiale zur Nutzung öffentlicher Räume sind sehr vielfältig. Viele verschiedene Aspekte beeinflussen dabei ihre Gegebenheiten und wie sich Menschen in ihnen bewegen, aufhalten, kommunizieren und interagieren – ob am Tag oder in der Nacht.

Ziel des A-Projekts ist es, euch das Konzept der gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung näher zu bringen. Was heißt denn überhaupt „Gemeinwohl“? Wer bestimmt das „Gemeinwohl“? Und wie überhaupt? Des einen Wohl ist doch des anderen Übel. Wie kann dieses Dilemma gelöst werden? In diesem Zusammenhang möchten wir euch für die Bedürfnisse bestimmter Bevölkerungsgruppen (Kinder oder Jugendliche) sensibilisieren und Lösungsansätze zu entwickeln, wie eine zukunftsfähige Innenstadt aussehen kann, die nicht allein durch konsummotivierte Nutzungen geprägt ist. Gleichzeitig möchten wir euch die Möglichkeit geben, eigene Schwerpunkte zu setzten. Daher werden wir in der theoretischen Einführung unterschiedliche Themenfelder (z.B. Gestaltung öffentlicher Plätze und Wege, Experimente im öffentlichen Raum) und die möglichen Zielgruppen überblickartig beleuchten und die konkrete Ausgestaltung der Projektarbeit anhand eurer eigenen Interessen konzipieren. Hierbei möchten wir euch dazu einladen, euch mit unterschiedlichen Methoden auseinanderzusetzten und diese auszuprobieren. Denkbar sind klassische Methoden der Raumplanung wie Ortsbegehungen, unterschiedliche Formen der Beobachtung sowie Befragungen. Ebenso bieten sich visuelle Methoden (Einsatz von Foto- und Filmmaterial) oder Experimente im öffentlichen Raum an (z.B. mit Hilfe von Installationen). Darüber hinaus erhaltet ihr die Möglichkeit, durch die Einbeziehung des Amtes Stadtplanung und Bauordnung der Stadt Dortmund Einblicke in die Praxis zu erhalten. Vorgesehen sind zudem inhaltliche Inputs vom Jugendamt der Stadt Dortmund, dem Büro plan+lokal sowie dem Unternehmen Stadt und Handel.

Aufgrund der inhaltlichen Nähe werden wir im Studienjahr zudem mit dem A-Projekt 03 „Mit Jugendlichen gemeinsam stadtmachen: Potenziale digitaler Beteiligungsformate“ zusammenarbeiten. Eine Kooperation mit einem Masterseminar des Fachgebietes Städtebau- und Bauleitplanung ist für das Sommersemester ebenfalls geplant. Neben dem fachlichen Austausch möchten wir damit auch eure Vernetzung am Campus erleichtern.

Wir freuen uns darauf, euch in eurem ersten Studienjahr zu begleiten.

Lehr­ver­an­stal­tung im LSF

Be­treu­ung: Sabine Bongers-Römer, M.Sc. und Lars Sievers, M.Sc.

Zukunftsfähige Mitte Wickede – Ansätze zur Transformation einer Kleinstadt

Beschreibung

Die von Helmut Dedy angesichts der Präsentation des DST-Positionspapiers „Zukunft der Innenstadt“ getätigte Aussage gilt dabei nicht nur für Großstädte, sondern auch und vor allem für Mittel- und Kleinstädte. Insbesondere hier sind in den Innenstädten und Ortszentren in den letzten Jahren wirtschaftliche sowie funktionale und städtebauliche Veränderungen zu beobachten, die überwiegend durch veränderte nachfrage- und angebotsseitige Trends im Innenstadthandel ausgelöst wurden (z.B. durch die mit dem demographischen Wandel verbundene Nachfrageumstrukturierung, die Filialisierung des Einzelhandels und den Rückgang Inhaber*innen geführter Geschäfte, den Wertewandel und die Erlebnisorientierung im Konsum, die Digitalisierung und wachsende Konkurrenz des Online-Handels etc.) und die oftmals zu Leerständen oder zur Vernachlässigung und Verödung der Innenstädte und der öffentlichen Räume führen.

Aber wie können Innenstädte und Ortszentren weiterentwickelt werden? Wie können Innenstädte und Ortszentren an die neuen Bedürfnisse und Erwartungen der Menschen angepasst und zu attraktiven Orten gestaltet werden? Eine stärkere Nutzungsmischung liegt hier als Antwort auf der Hand. Ein Ziel könnte darin liegen, Innenstädte und Ortszentren in „urbane Marktplätze“ weiterzuentwickeln. Für diese Transformation muss – neben innovativen Handelsnutzungen – die strategische Ansiedlung ergänzender Nutzungen neben dem Handel erfolgen, z.B. von öffentlichen Einrichtungen wie Kitas, Gastronomie, Einrichtungen für Freizeit und Gesundheit, Co-Working-Spaces, Handwerk und urbanes Kleingewerbe. Auch Wohnen in zentralen Lagen muss ein zentraler Bestandteil der Transformationsstrategie sein, des Weiteren müssen die öffentlichen Räume und Freiflächen neugestaltet und weiterentwickelt werden. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass die vorhandenen Gebäude sicher nicht alle ausgetauscht werden (können) – damit werden neben den strategischen Überlegungen auch der Umbau und die Anpassung vorhandener Strukturen zu einer Hauptaufgabe von Stadtplaner*innen (ARL 2020; s.a. baukultur.nrw/projekte/einkaufsstrassen-veranstaltung/)

Die Transformation des Ortszentrums zu einer lebendigeren und attraktiven Mitte ist auch ein erklärtes Ziel der Gemeinde Wickede (Ruhr). Die Gemeinde Wickede ist mit 25 km2 eine der kleinsten Flächenkommunen in NRW und hat ca. 12.000 Einwohner*innen. Durch ihre Lage an Haarstrang und im Ruhrtal ist sie eher ländlich geprägt, strukturell aber mit über 4.000 gewerblichen Arbeitsplätzen stark industriell/gewerblich aufgestellt. Die in den frühen 80erJahren weitgehend sanierte Ortsmitte ist durch die damalige Formgebung, Fluktuation und absehbare Geschäftsaufgaben im Handel geprägt. Vor diesem Hintergrund soll das F-Projektes folgende Zielsetzungen verfolgen:

  • Entwicklung eines Nutzungskonzeptes für die Transformation der Ortsmitte in einen „urbanen Marktplatz“ (unter besonderer Berücksichtigung der Umnutzung ehemaliger Ladenlokale zu Wohnzwecken u.ä.)
  • Entwicklung eines innerstädtischen Konzeptes zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität und des Erscheinungsbildes (öffentliche Räume, Straßen, Förderung von Begegnung und Spiel, Integration neuer Mobilitätsformen etc.)
  • Entwicklung eines klimaangepassten Ortszentrums (Wasserflächen, Grüngestaltung, Ersatz- und Ergänzungspflanzungen etc.)

Dafür werden im Rahmen der Bearbeitungszeit – mit Unterstützung durch die Gemeinde Wickede (Bereitstellung erforderlicher Unterlagen, Vermittlung von Ansprechpartner*innen, Unterstützung bei der Durchführung von Workshops vor Ort etc.) – folgende Teilschritte anstrebt (die Teilschritte können selbstverständlich von den Teilnehmer*innen modifiziert und/oder ergänzt werden):

  • Literaturanalyse und Ableitung von Kriterien für „Ortszentren der Zukunft“ (WiSe 2021/2022)
  • Analyse von erfolgreichen Beispielen aus anderen Kommunen (Best-Practice-Analyse) (WiSe 2021/2022)
  • Zielgruppenspezifische Beteiligung insbesondere von Jugendlichen und Senior*innen (WiSe 2021/2022) über Sozialraumanalysen und interaktive Workshops vor Ort
  • Entwicklung strategischer und konzeptioneller Ideen für die Entwicklung der Ortsmitte (SoSe 2022)
  • Erarbeitung/Neuaufstellung des Bebauungsplans 11 (Ortsmitte) auf Basis des entwickelten Konzeptes (SoSe 2022)

Die Veranstaltung ist – unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen – als Kombination von Präsenzlehre und digitaler Lehre geplant. Präsenzveranstaltungen werden dabei in Absprache mit den Teilnehmer*innen regelmäßig angesetzt. Es wird von allen Teilnehmer*innen erwartet, dass sie sowohl an den Präsenzveranstaltungen als auch an den Online-Sitzungen teilnehmen. Bei der Bearbeitung sollen unterschiedliche Methoden (Literaturanalyse, zielgruppenspezifische Sozialraumanalysen, Expert*innen-Interviews, städtebauliche Entwurfsmethoden etc.) miteinander kombiniert werden.

Lehr­ver­an­stal­tung im LSF

Be­treu­ung: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Frank Othengrafen

Anfahrt & Lageplan

Der Campus der Technischen Universität Dortmund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dortmund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dortmund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dortmund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Universität ausgeschildert.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dortmund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 15- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dortmund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

Zu den Wahrzeichen der TU Dortmund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dortmund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dortmund Universität S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dortmund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dortmunder Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.