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M.SC. RAUM­PLA­NUNG

Aktuelle Projekte

M 04 - Masterplan informelle Orte in Herne

Beschreibung

Wenn es um Stadtplanung und die Zukunft der Städte geht, sollte die Stadtnutzerinnen und –nutzer und damit auch die Jugend Teil des Austausches sein. Sie haben wertvolle Erkenntnisse darüber, welche Räume und Nutzungen sie in der Stadt für ihr persönliches Wohlbefinden benötigen.

Wie unsere Städte funktionieren, ist das Ergebnis des Zusammenspiels zahlreicher Elemente: Infrastruktur, Mobilität, Architektur, städtische Einrichtungen, öffentliche Freiräume usw. Die Vorstellung der Bewohnerschaft über Räume, die sie meiden oder wo sich gerne aufhalten ist sehr unterschiedlich. Alter ist ein Aspekt von diversen Wahrnehmungen und Bewertung. Die Bedürfnisse von Jugendlichen bleiben in städtischen Planungsprozessen aus den unterschiedlichen Gründen häufig unberücksichtigt. Neben der Beteiligungs- und Teilhabequalität der Prozesse weisen die Wahrnehmungen, Bewertungen und Vorstellungen der sehr heterogenen Gruppe eine große Spannbreite auf. Jugendliche in der Altersspanne etwa zwischen 14 und 21 Jahren gehen zur Schule oder arbeiten bereits, nutzen den ÖPNV oder fahren schon Auto, leben bei den Eltern oder bereits alleine, sind arm oder wohlhabend.

Öffentliche Räume sind für alle Altersgruppen vor allem Orte für soziale Kontakte, für Freizeitangebote oder als Transitraum. Grüne und blaue Räume im Speziellen dienen der Erholung und körperlichen Aktivität und als Naturerfahrung. Öffentliche Freiräume erfüllen wichtige Funktionen für die dort lebende, nicht nur junge Bevölkerung und liefern einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung. Vor allem in sozialbenachteiligten Stadtquartieren, die geprägt sind durch hohe Migrantenanteile, hohe Arbeitslosenzahlen und einem hohen Anteil von Empfängern staatlicher Transferleistungen ist die Verfügbarkeit nutzbarer Freiflächen von elementarer Bedeutung. Vergleichsweise knapp bemessener Wohnraum, eine schlechte Ausstattung mit privat nutzbaren Freiräumen, ein geringes Einkommen und mangelnde Mobilitätsalternativen steigern den Bedarf an ein qualitätsvolles Wohnumfeld und verbesserten gesamtstädtischen Mobilitätsangeboten.

In Herne bestehen in dieser Hinsicht besondere Bedarfe. Erstens ist die Gesamtstadt durch eine deutschlandweit verglichen sehr hohe Bevölkerungsdichte und einen geringen Anteil an nutzbaren Freiräumen gekennzeichnet. Und zweitens existieren im Herner Stadtgebiet zwei hochverdichtete Siedlungskerne (Herne Zentrum und Wanne-Eickel Zentrum), die hinsichtlich mehrerer sozialer, ökonomischer und gesundheitsrelevanter Indikatoren als benachteiligt gelten können und zudem einen hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen aufweisen.

Die Stadt Herne hat am 5. Oktober 2021 den 4. Herner Kinder- und Jugendförderplan verabschiedet. Drei von vier genannten Schwerpunkten berühren wesentliche stadtplanerischer Aspekte:

  • Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
  • Digitalisierung
  • Bedarfsgerechte Angebotsstruktur.

Dem 4. Herner Kinder- und Jugendförderplan lag eine Kinder- und Jugendbeteiligung zugrunde, an der 684 Kinder mit einem Durchschnittsalter von 10,4 Jahren und „nur“ 57 Jugendliche teilgenommen haben. Bei den drei TOP-Themen die benannt wurden, handelt es sich um Umweltschutz, Spielplätze und Sportangebote. Während es sich bei Spiel- und Sportplätzen und auch Kinder- und Jugendeinrichtungen um infrastrukturelle Angebote handelt, wird das Themenfeld Umweltschutz über spezifische Angebote in den Einrichtungen der offenen Arbeit und in den Jugendverbänden platziert.

Jugendlichenbefragungen anderer Städte zeigen, dass informelle Orte und Treffpunkte in der Regel bekannter sind als viele Angebote der Kinder- und Jugendarbeit. Informelle Treffpunkte werden zu einem großen Teil von den Befragten regelmäßig aufgesucht. Dabei kann es sich um öffentliche Räume vor Kaufhäusern, aber auch Fast-Food Restaurants, Schulhöfe, Brachflächen, Bahnhöfe oder Straßenräume handeln. An diesen Bedarfen und Orten möchte der Masterplan informelle Orte für Jugendliche in Herne ansetzen.

Das als Entwurf und Projekt konzipierte Masterangebot zielt darauf ab herauszufinden, welche öffentlich zugänglichen Räume von Jugendlichen aus welchen Gründen positiv oder auch negativ bewertet werden. Gleichzeitig werden fehlen Angebote, Räume und Verbindungen analysiert. Mit aktivierenden, partizipativen Methoden (Fragebogen, Nadelmethode, Mind Mapping oder auch appbasierte Anwendungen) sollen Jugendliche informelle Orte und Treffpunkte vor allem öffentliche Räume, die für alle zugänglich sind, identifizieren und bewerten sowie in einen Prozess der Konzipierung von jugendspezifischen Freizeitinteressen, spezifischen Lebenswelten und Nutzungen von Angeboten und Orten in Herne einbezogen werden. Der anvisierte Masterplan stimmt die unterschiedlichen Vorstellungen, Ansprüche und Optionen für Jugendliche in Herne aufeinander ab. Ziel ist die Ausweitung und Qualifizierung der Angebote und Nutzungsräume zur Steigerung von Gesundheit und Wohlbefinden sowie die Aufwertung von Quartieren mit Interaktionsräumen.

Das Angebot richtet sich sowohl an die Studierende, die schwerpunktmaßig projektorientiert arbeiten möchten, als auch an diejenigen, die räumlich-kon­zeptio­nelle Entwurfslösungen auf Quartiersebene zum Ziel haben. Ziel für die Entwurfskleingruppen in diesem Projekt ist die raumbezogene Vermittlung von analytischen und konzeptionellen Entwurfsansätzen zur Entwicklung. Sicherung und Vernetzung von gesundheitsförderlichen Orten für Jugendliche in Herne.

Die projektorientierten Kleingruppen arbeiten in einem aktuellen Forschungsfeld des Fachgebietes.  Ziel hierbei ist es, ein Verständnis für kom­ple­xe raum­be­zo­gene Problemstellungen an der Schnittstelle zwischen Raum und Gesundheit zu entwicklen und unter Anwendung von innovativen Methoden konzeptionellen Lösungsansätze auf verschiedenen Ebenen zu erarbeiten.

Lehr­ver­an­stal­tung im LSF

Be­treu­ung: Univ.-Prof. Dr.-Ing. Frank Othengrafen; Lars Sievers, M.Sc.; Dr.-Ing. Andrea Rüdiger

Anfahrt & Lageplan

Der Campus der Technischen Universität Dortmund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dortmund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dortmund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dortmund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Universität ausgeschildert.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dortmund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 15- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dortmund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

Zu den Wahrzeichen der TU Dortmund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dortmund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dortmund Universität S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dortmund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dortmunder Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.